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Expertenstimmen

Im Rahmen der Studie "Erfolgsfaktoren für nachhaltiges Wachstum und Unternehmenserfolg für KMUs in der Zukunft" hat MuGrow Experten befragt, um die thematisierten Trends und Herausforderungen an eine erfolgreiche nachhaltige Unternehmensentwicklung zu validieren. Dazu wurden regionale Institutionen in der EUREGIO Bodensee ausgewählt, die durch ihre unterschiedliche thematische Ausrichtung eine ganzheitliche Sichtweise ermöglichten. Enige ihrer wichtigsten Aussagen sind hier zusammengefasst.

 

 

Die Expertenmeinungen

 

Stefan Güldenberg, Prof. Dr. (Lehrstuhl für Internationales Management an der Hochschule Liechtenstein) 

Langlebigkeit von bzw. Nachhaltigkeit in Unternehmen setzt voraus, dass Unternehmen über Generationen hinaus denken, anstatt nur eine kurzfritige Gewinnmaximierung zu verfolgen. Nachhaltig erfolgreiche Unternehmen steuern ihre Wachstumsgeschwindigkeit bewusst durch eine stringente Linie, eine klare Philosophie und hohe Glaubwürdigkeit. Vorraussetzung für das nachhaltige Wachstum ist der professionelle Umgang mit Veränderungen, die nachhaltige Mitarbeiterorientierung, bei der Mitarbeiter bewusst ausgewählt werden und sie dann für das Unternehmen und ihre Arbeit immer wieder neu motiviert werden. Nachhaltig erfolgreiche Unternehmen schaffen sich eine grösstmögliche finanzielle Unabhängigkeit.

Christian Hausmann, lic.oec. HSG (Geschäftsführer KMU Zentrum Liechtenstein)

Bei der Finanzierung von KMUs gibt es ein Passungsproblem zwischen Unternehmen und Investoren. Unternehmen brauchen Fremdkaptital, sind aber eher bereit 10-15% Zinsen zu zahlen, als dass sie Anteile des Unternehmens abgeben. Hier besteht noch immer das Ressentiment, dass Investoren nur an einer kurzfristigen Kapitalmaximierung interessiert sind. Und anscheinend gibt es nur wenige Investoren, die auf Anteile verzichten. 
Doch sollten sich Unternehmen für Business Angels öffnen, die ihre Erfahrungen im Verwaltungsrat des Unternehmens einbringen können. 

Für die traditionelle Form der Fremdkapitalbeschaffung muss das Unternehmen lernen Vertrauen zu den Banken aufzubauen. Dazu bedarf es, die Banken frühzeitig und kontinuierlich über die Entwicklungen im operativen Geschäft zu informieren. 

Bertam Meusburger, Mag. (stellv. Leiter des Büros für Zukunftsfragen des Landes Vorarlberg, Bereich „Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung“)

In der Zukunft werden vermehrt die weichen Standortfaktoren die Entwicklung eines Wirtschaftsstandortes mitentscheiden. Nachhaltige Entwicklung eines Standortes wird auf drei Ebenen beeinflusst. Ersten werden noch immer objektive Zahlen und Kennziffern den nachhaltigen Erfolg beschreiben. Zweitens werden aber zunehmend Systeme geschaffen und von der Politik regionale Entwicklungen bewusster gesteuert und geplant. Drittens wird zukünftig die gesamte Gesellschaft in den Entwicklungsprozess mit eingebunden. Das heisst, dass jeder Bürger, die Institutionen und vor allen Dingen die Unternehmer und deren Mitarbeiter zu einer erfolgreichen nachhaltigen Entwicklung einer Region beitragen müssen. Das Potential, dass eine Region durch die Gesellschaft gestaltet werden kann, wird Sozialkapital genannt. Es beschreibt die Beziehungen der verschiedenen Anspruchsgruppen in dem Raum. Die Qualität dieser sozialen Netzwerke wird über die Enticklung einer  Region entscheiden. Insbesondere die Unternehmen sind gefordert, das Sozialkapital ihres Standortes zu stärken. Denn eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ist an eine nachhaltige Standortentwicklung gebunden. Unternehmen können nur wachsen, wenn sie nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden.

Christoph Mathis, Mag. (Abteilungsleiter Gründer-Service der WKÖ Vorarlberg) 

Das Image von Unternehmern muss verändert werden. In der Gesellschaft werden sie wahrgenommen als jemand der Risiken auf sich nimmt und bei Erfolg einen Neidfaktor auslöst. Dennoch darf der Beitrag des Unternehmens zum Gemeinwohl  nicht vergessen werden.
Unternehmer können ihr Image verbessern, wenn sie nachhaltige Strukturen und Prozesse schaffen, die Arbeitsplätze erhalten oder schaffen. Daher verwundert es kaum, dass Familienunternehmen, die auf lange Traditionen zurückschauen, in Vorarlberg geschätzt werden und ihnen das Image von Kontinuität anhaftet.

Vorarlberg entwickelt sich aber auch zu einer Region, die zukünftig vermehrt junge kreative Unternehmer anzieht, die Know-how mitbringen und kreative Lösungen haben. Verantwortlich dafür ist die hohe Lebensqualität und der wirtschaftliche Strukturmix.

Vorarlberg steht für "Arbeiten, wo andere Urlaub machen" und zieht gleichzeitig moderne, erfolgreiche Global Player an, die als Flagschiffe dienen, welche junge Unternehmen anziehen.


Markus Kaufmann, (Leiter des Büros für Zukunftsfragen der Regierung des Fürstentums Liechtenstein) 

Liechtenstein wird in Zukunft sich mit einer nachhaltigen Verkehrspolitik auseinandersetzen müssen, denn die Verkehrssituation birgt einen Engpass für das nachhaltige Wachstum des Fürstentums.
Zudem gilt es eine Raumplanung zu gestalten, die den begrenzten Raum für die Bedürfnisse Liechtensteins optimal nutzt. Daher ist es ein Ziel, dass Unternehmen und Einrichtungen aus FuE anzusiedeln, die High-Skill Arbeitsplätze schaffen und die einen geringen Flächenbedarf haben. Zudem muss Liechenstein das hohe Attraktor-Niveau halten, damit es sich im Wettbewerb um die High-Potentials behaupten kann. Dazu gilt es aber auch die weichen Standortfaktoren weiterzuentwickeln, damit junge gute Ingenieure kreative Milieus vorfinden, die ein grosses Angebot im kulturellen Bereich und Freizeitmöglichkeiten  bieten. Sollten diese Fachkräfte nicht bleiben, dann wird dies die High-Tech Branche in ihrem Wachstum bremsen.

Daniel Keller, (Präsident der Rheintaler Jungen Wirtschaftskammer) 

Unternehmen müssen Strukturen, Prozesse und Institutionen schaffen, die es dem Mitarbeiter ermöglichen sich nachhaltig zu entwickeln. Wesentliche Kriterien für eine nachhaltige Mitarbeiterorientierung ist die aktive und konsequente Karriereplanung mit dem Mitarbeiter, Schaffung von Angeboten für die Führungskräfte zur Persönlichkeitsentwicklung und das Coaching der Mitarbeiter und Führungskräfte. Das Ergebnis einer nachhaltigen Mitarbeiteroreintierung wird sein, dass diese sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren und sich nachhaltig engagieren. Dieses Gefühl der Mitarbeiter kann durch Beteiligungen verstärkt werden, so dass sie Stolz ausstrahlen und sich selber als Unternehmer fühlen.
Diese Anforderungen sind den Unternehmen noch zu wenig bewusst. Sie haben eine Verantwortung für die Mitarbeiter. Dazu gehört auch, dass Präventionsmassnahmen gegen das Burnout-Syndrom getroffen werden.  

Michaela Wagner, Mag. (Geschäftsführerin der Industriellen Vereinigung Vorarlberg) 

Unternehmer müssen sich der Aufgabe der nachhaltigen Mitarbeiteroreintierung stellen. Sie müssen die Bedürfnisse der Mitarbeiter befriedigen, die vielfälktiger geworden sind. Sie müssen eine bewusste Personalentwicklung sowie Fort- und Ausbildung gestalten. Dazu gilt es eine Unternehmenskultur zu installieren, in der Anreizsysteme für die Mitarbeitergeschaffen werden. Hier spielen fringe benefits eine besondere Rolle. 
Vermehrt sind die Interessen der Mitarbeiter zum Thema Gesundheit zu berücksichtigen, in dem Unternehmen interne Sportmöglichkeiten anbieten, damit Mitarbeiter auch während der Arbeitszeit etwas für ihre Gesundheit tun können.

Ausserdem sollten Unternehmen durch Programme zur Corporate Social Responsibility Mitarbeiter motivieren und stärker an das Unternehmen binden.

Und nicht zuletzt müssen Unternehmensstrukturen geschaffen werden, die es ermöglichen, dass Frauen Führungskräfte in Unternehmen werden, das Familie und Beruf sich vereinbaren lassen und eine Unternehmenskultur des "Wir-Gefühls" zulässt. 


Buchveröffentlichung

ab September verfügbar

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